Wie dich die Erkenntnis der Bedürftigkeit, die Magie der Annahme, die Entscheidung, deine eigene Retterin zu sein, und Nachtisch erkennen lassen, dass es gar keinen richtigen Mann mehr bedarf!

Es folgt nicht nur einfach eine weitere Folge meiner Kolumne „Frau Wurster lässt Senf ab“, sondern ein fast zu ehrlicher Einblick in mein aktuelles „Liebesleben“. Ich schreibe mir quasi meinen Herzschmerz von der Seele und teile meine ganz persönlichen daraus gewonnen Aha-Erkenntnisse mit euch. An alle Liebes-Expertinnen: Ich übernehme absolut keine Verantwortung für meine zum teil noch recht ungefilterten Sichtweisen, denn mein Herz erwacht erst ganz langsam aus seinem viel zu langen Ego-Schlaf, ist jung und darf wachsen.

Im vergangenen Jahr durfte ich durch diese drei Männer wahnsinnig viel lernen (an dieser Stelle Liebe & Licht an euch!). Und ich habe mir ziemlich lange Gedanken gemacht, wie ich „all dies“ mit dir teilen könnte, um dich bestmöglich abzuholen, und habe mich nun schlussendlich für diese Variante entschieden.

Lernen ist, herauszufinden, was du schon weißt. Tun ist, zu zeigen, dass du es weißt. Lehren ist, andere zu erinnern, dass sie es wissen, genau wie du es weißt. Ihr seid alle Lernende, Tuende, Lehrende. – Richard Bach

Oktober 2019 / Ich rette mich selbst 

Ich stieg aus dem Flugzeug, Timo wartete auf mich mit Blumen in der Hand (weil man das eben so macht). Und bereits nach unserem Begrüßungskuss wurde es mir erschreckend und doch ganz einfach klar: Ich wollte nicht mehr. Ich hatte in letzter Zeit so oft um ein Zeichen des Universums gebeten, weil ich mir einredete, nicht selbst die Kraft und die Antworten zu haben, um eine Entscheidung zu treffen. Und plötzlich war er da, so kurz, dass man ihn hätte verpassen, aber niemals mehr vergessen können: dieser Moment der absoluten Ehrlichkeit zu mir selbst. Vier intensive Jahre hatten wir uns geschenkt, waren auf großen und kleinen Reisen gewesen, hatten uns ab uns zu gestritten, Schicksalsschläge miteinander überstanden, öfter gestritten, waren in unsere gemeinsame erste Wohnung gezogen, hatten viel gestritten, uns gegenseitig in unseren Karrieren unterstützt, irgendwann nur noch gestritten und gar nicht mehr über unsere großen Träume geschweige denn übers Heiraten gesprochen. Auf dem Weg vom Flughafen nach Hause stellte ich fest, dass ich mir so keine weiteren vier Jahre vorstellen konnte und auch nicht länger dem hinterherrennen wollte, was wir anscheinend einmal gewesen waren, weil es sich einfach nicht mehr finden ließ. Unsere kleine Ewigkeit war vorbei…

Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich mich von Timo getrennt hatte, war ihr erste Reaktion darauf: „Kannst du dir das finanziell überhaupt leisten?“ So traurig ihre Reaktion auch war – der finanzielle Aspekt und die generelle Abhängigkeit, der sich Frauen oftmals selbst aussetzen, spielen bei der Entscheidung, ob sie in einer unglücklichen Beziehung bleiben wollen, eine viel größere Rolle als wir meinen. Genau in dieser Zeit – noch einmal danke, liebes Universum – fiel mir ein Zitat von der Sängerin Cher in die Hände, das aus einem Interview stammt. Darin erzählt sie, dass ihre Mutter immer meinte, dass sie einen reichen Mann bräuchte, und dass ihre Antwort darauf war: „Mama, ich bin mein eigener reicher Mann!“ Außerdem sagt sie in dem Interview „Ein Mann ist absolut keine Notwendigkeit, sondern eher wie ein Nachtisch.“ Auf die Frage, ob da ein Hauch von Verbitterung gegenüber dem anderen Geschlecht anklänge, antwortet Cher gutgelaunt: „Oh nein, ich liebe Nachtisch!” Aber sie wolle eben mit einem Mann zusammen sein, weil sie ihn wirklich will, und nicht, weil sie ihn braucht. Bäm, diese Sätze veränderten mein Leben! Plötzlich erkannte ich meine eigene Abhängigkeit und, dass ich mich mit einer Zweisamkeit zufrieden gab, weil ich mich vor meiner eigenen Einsamkeit fürchtete. Zudem musste ich mir eingestehen, dass ich in unserer Beziehung Dinge (technisch Dinge, Verträge und Reiseplanung), die ich nicht gerne tat, abgab und plötzlich wahnsinnige Angst davor hatte, diese Dinge, wie etwa einen Flug zu buchen, eigenständig zu erledigen. 

Nach einem langen Gespräch (noch am selben Abend) und vielen Tränen, erlöste ich Timo davon, mich glücklich machen zu müssen, und wir wurden Freunde. Dadurch kam ich wieder in meine Verantwortung und entschied mich, meine eigene Retterin zu sein. In der Zeit der Trennung wurden mir plötzlich viele meiner Ängste deutlich, doch die Kraft, die hinter einer wahren Entscheidung steht, versetzt Berge! So buchte ich nicht nur selbstständig meinen ersten Flug nach Hamburg und flog nach vier Jahren das erste Mal wieder alleine, sondern kam auch noch in Hamburg an. Jeden Morgen sprach ich aus vollem Herzen mein neues Mantra, las das Buch „Ein Gespräch mit Gott“ (dreimal hintereinander) und nahm mir vor, den Schmerz zu spüren und unsere gemeinsam Zeit zu verabschieden, aber nicht zu leiden. Denn Leid entsteht nur, wenn du nicht akzeptieren kannst, was ist und dich dagegen sträubst. Stattdessen freute ich mich, dass ein richtig guter Freund und auch ich nun wieder eine Chance auf eine neue kleine Ewigkeit hatten… Also, Mama: Ja, ich kann es mir leisten, weil ich mich dafür entscheide! 

Januar 2020 / Annahme macht mich frei 

Bevor ich Timo verließ, war ich für ca. einen Monat für die Aufnahmen der TV-Serie „No Body is Perfect“ auf Mykonos. Ich fühlte mich wahnsinnig lebendig dabei, den ganzen Tag nackt in einer Villa zu verbringen, umgeben vom wunderschönen, blauglitzernden Meer. In der Villa, in der wir auch schliefen, hatten wir die ersten Wochen kaum Internet und Netz. Weil das damalige Bauchfrauen-Team nicht darauf vorbereitet war, so isoliert von mir und meinen Anweisungen zu sein, sträubte ich mich zu Beginn unheimlich, diese Tatsache anzunehmen. Doch mit der Zeit erschöpfte es mich extrem, gegen etwas anzukämpfen, auf das ich keinen Einfluss hatte, und so blieb mir gar nichts anderes übrig als für eine kurze Zeit alles aus Deutschland hinter mir zu lassen. Es tat sehr gut, nicht ständig gleichzeitig die Dreharbeiten und Bauchfrauen in meinem Kopf und zusätzlich meinen Freund aus Deutschland in der Leitung zu haben. Und mich ständig fragen zu müssen, warum ich diesen einfach nicht mehr vermisste. Plötzlich fühlte sich alles in mir und um mich so leicht an. Ich war stets gut gelaunt, hatte noch mehr Energie als zuvor (ja, das geht), tanzte und sang ständig, wie wunderschön das Leben doch war. Mir war zwar bewusst, dass ich davor unglücklich war, vor allem in meiner Beziehung, doch gleichzeitig war ich verblüfft, wie gut sich Glücklichsein anfühlte. 

In der dritten Woche nahm ich dann Andreas, den Kameramann, erstmals richtig wahr oder eher, wie ich mich in seiner Gegenwart fühlte, nämlich wahnsinnig sexy. Wir warfen uns gegenseitig heimlich Blicke zu und die ganze Situation war aufregend, was sicherlich auch an der Tatsache lag, dass ich am Set stets nackt war. Am letzten Abend beschlossen wir, dass wir uns in Deutschland wieder sehen wollten, sobald ich meine „Sachen geregelt“ hatte. Ich hatte mich wie ein Teenager Hals über Kopf in einen wildfremden Mann verknallt. Doch das war nicht der Grund, weshalb ich Timo anschließend verließ. Dank Andreas hatte ich wieder gespürt, wie toll es sich anfühlen kann, wenn Herzregionen erreicht werden, die bereits lange Zeit unerreicht und verlassen gewesen waren. 

Nachdem ich die Beziehung mit Timo beendet und für eine neue Bleibe gesorgt hatte, telefonierten Andreas und ich lange und viel. Ich freute mich wahnsinnig auf unser Wiedersehen, doch ihm kam ständig etwas dazwischen. Irgendwann wurden auch unsere Anrufe immer seltener und daraus schließlich nur noch ein bis zwei Nachrichten in der Woche bis hin zu keiner Reaktion. Bis heute weiß ich nicht, warum sein Interesse erlosch, ob es an einer anderen Frau lag oder er nicht bereit für mich war. Doch ich habe es sowas von satt, mich zu fragen, was ich anscheinend falsch gemacht habe, und außerdem glaube ich, dass dieses „Warum?“ und „Ich würde es so gerne einfach nur verstehen können“ absolut nichts bringt und nur weitere Ausreden dafür sind, um nicht abschließen zu müssen. Doch sprechen wir es einmal ganz laut und deutlich aus: Er wollte mich einfach nicht! War das nun wirklich so schwer? Am Anfang tut es natürlich etwas weh, weil du bestimmte Erwartungen an ein bestimmtes Verhalten hast (also das Ego auf jeden Fall). Aber wer erwartet, wird warten. Oftmals ist nämlich das, was dich eigentlich an einer „Abfuhr“ verletzt, dass du daraufhin anfängst, stark an dir zu zweifeln und dich wertlos zu fühlen.

Ich bereitete mich psychisch auf eine lange Zeit des Herzschmerzes vor, als ich Andreas meine letzte Nachricht hinterließ und ihm mitteilte, dass ich mich nun nicht mehr so hinhalten lassen würde. Doch auf einmal fielen mir die ersten Tage auf Mykonos ein, an denen wir kein Internet und kein Netz hatten, und wie entspannt ich sein konnte, nachdem ich die Tatsachen „einfach“ so angenommen hatte wie sie waren. Und so beschloss ich, diesmal überhaupt nicht erst in den Widerstand zu gehen, sondern direkt anzunehmen, dass er mich nun einmal nicht wollte. Wie bereits bei Timo war ein süßer Herzschmerz zu vernehmen, doch ich litt weder besonders noch zweifelte ich an mir. Tatsächlich war es unheimlich intensiv, die Magie der Annahme zu spüren. So konnte ich auch mein Vertrauen ins Universum nochmal selbst auf „die Probe“ stellen, denn wenn ich wahrhaftig daran glaubte, dass alles, was geschieht, für mich ist, dann sollte schließlich auch genau das alles so geschehen. 

Wir sollten nicht jammern, wenn uns das Schicksal mal den Wind aus den Segeln nimmt. Vielleicht will es uns nur sicher in den nächsten Hafen bringen. – Karl Heinz Karius

Man weiß eben nie, für was etwas gut ist. Eine gute Freundin sagte mir zu dieser Zeit etwas wahnsinnig Schönes: „Hab keine Angst zu lieben oder `zu viel` zu geben. Es gibt niemanden, der zu viel gibt, es gibt nur jemanden, der nicht bereit ist, zu empfangen.“ Ob ich etwas anders gemacht hätte, wenn ich gewusst hätte, wie es endet? Nein, nicht eine Sekunde – denn Andreas war ein Geschenk, das mir die Augen öffnete und das ich sehr genoss. Dafür bin ich wahnsinnig dankbar. Beziehungen und Menschen sind Gäste in deinem Leben, über die du dich wahrhaftig freuen darfst, doch du wirst keinen Gast zwingen können, bei dir zu bleiben, wenn er gehen will. Einige Menschen, die dir viel bedeuten, wirst du verlieren, doch die Liebe wird immer wieder auf andere Wegen zu dir zurückfinden, davon bin ich fest überzeugt. (Lies dazu gerne einmal die Geschichte „Das Mädchen mit der Puppe“ von Franz Kafka)

Wie sich mein Liebesleben dieses Jahr noch veränderte und welche Learnings ich letztendlich daraus mitnahm, erfährst du nächste Woche im Teil 2!

Ganz viel Bauchliebe & Licht an dich, deine Sandra

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