Die letzten Tage eines Jahres sollen angeblich die besinnlichsten, die ruhigsten, die entspanntesten sein. Dass sie das meistens eher nicht sind, wissen du und ich vermutlich ziemlich gut. Da werden hier und da noch möglichst viele To-Dos ins alte Jahr gepackt, die Bude geschmückt und Berge an Plätzchen gebacken, damit Tante Frida bei ihrem Besuch stolz auf uns ist, und Massen an Geschenken gekauft, damit auch ja kein Familienmitglied benachteiligt oder gar enttäuscht ist. Die letzten Tage des Jahres fühlen sich also nicht selten beinahe noch stressiger, noch erwartungsgefüllter und noch mehr unter Druck an als das ganze restliche Jahr.

Deshalb möchte ich dich dazu einladen und auch daran erinnern, dir zwischen all der Hektik Zeit für dich zu nehmen. Denn: So stressig und voller Druck muss es nicht sein. Du kannst, darfst und sollst dir sogar Zeit für dich nehmen. Du bist es, deren Leben du gerade lebst. Sollte es da nicht so sein, dass auch du bestimmen darfst, was darin Platz findet und was nicht? Und wenn du das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug, nach Couch und Pyjama wesentlich stärker spürst als das, Berge an Plätzchen zu backen – na, dann solltest du dem nachgehen. Was sich übrigens wunderbar für eine Me-Time am Ende des Jahres eignet, ist eine Inventur mit deinem Leben.

Inventur?

Was nach Arbeit klingt, ist im Grunde eine wunderbare Methode, um mal in die Selbstreflexion zu gehen. Ich weiß, viele Menschen haben – wenn auch unbewusst – Angst davor, sich selbst und ihr Leben zu reflektieren, weil sie so auf etwas stoßen könnten, womit sie unzufrieden sind, und dann ja etwas ändern müssten. Ja, manchmal kann es durchaus unbequem sein. Aber 1.ist es im Nachhinein dann umso bequemer und 2.darfst du es dir dabei trotzdem so bequem wie möglich machen. Nimm dir ein paar Stunden für dich, in denen du es dir so richtig gemütlich und bequem machst, etwa mit Kuschelsocken, Kuscheldecke, Tee, Kerzen und schöner Musik. Richte dir deine Umgebung so schön wie möglich her (was alleine schon ein Akt der Selbstliebe ist), um dich so wohl wie möglich zu fühlen und den perfekten Rahmen für eine innere Inventur zu schaffen.

Und dann durchstöbere das Jahr, das hinter dir liegt. Du kannst es im wahrsten Sinne des Wortes durchstöbern, indem du dir Bilder von tollen Momenten und Erfahrungen anschaust oder dir all die Seiten in deinem Ich-Journal durchliest. Das ist eine wundervolle Art der Reflektion. Aber du kannst auch einfach alle Gedanken, die dir zu den vergangenen Monaten in den Kopf kommen, aufs Papier fließen lassen und aufschreiben. Mögliche Fragen, die du dir dazu stellen kannst, sind etwa: 

  • Was lief gut und was nicht?
  • Wofür bin ich dankbar?
  • Worauf bin ich stolz?
  • Was habe ich gemeistert und geschafft? 
  • Was habe ich gelernt?
  • Welche Momente haben mich besonders bewegt und geprägt?

Was ist und was soll?

In die Inventur zu gehen, bedeutet jedoch nicht nur, zu reflektieren, was war bzw. ist, sondern auch, was da sein soll. Der Ist-Stand wird mit dem Soll-Stand abgeglichen. Das heißt, du darfst dir auch Gedanken darüber machen, was du in deinem Leben haben möchtest, welche Träume du hast, welche Wünsche und Visionen. Fragen, die dir dabei helfen können:

  • Wovon möchte ich mehr in meinem Leben und wovon weniger?
  • Wovon träume ich insgeheim schon lange?
  • Was wollte ich schon immer einmal ausprobieren?
  • Für welche Tätigkeit möchte ich gerne mehr Zeit und Platz schaffen?
  • Womit bin ich nicht wirklich zufrieden, was möchte ich gerne ändern?
  • Welche Routinen und Rituale möchte ich etablieren?

Diese Fragen kannst du dir alle bezüglich deiner verschiedenen Lebensbereiche stellen. Die Lebensbereiche, die bei einer Reflektion immer betrachten werden können, sind: Beziehungen, Alltag & Beruf, Umgebung, Freizeit & Abenteuer, Geld & Finanzen. Wenn du darüber nachgedacht und Antworten für dich gefunden und aufgeschrieben hast, dann gilt es, dir zu überlegen, wie du mehr Punkte von der Soll-Liste auf die Ist-Liste bekommst. Sprich, wie du im neuen Jahr mehr von dem in deinem Leben haben kannst, wovon du eben gerne mehr möchtest.

Lass los!

Bevor du das allerdings tust, darfst du dir noch die Zeit dafür nehmen, alles Alte, was du nicht mit ins neue Jahr nehmen möchtest, bewusst loszulassen. Wie du das anstellst? Indem du dir natürlich erst einmal darüber bewusstwirst, was du im alten Jahr lassen möchtest. Was wirfst du dir noch vor? Worüber ärgerst du dich noch? Dann kannst du dich vor den Spiegel stellen oder setzen, dir tief in die Augen blicken (alleine das ist oft schon sehr emotional), und all das laut aussprechen, was du dir vergeben und loslassen möchtest. Lege deine Hände auf dein Herz, schließe die Augen, atme tief ein und aus und lass los. Blicke dir dann wieder tief in die Augen und sage dir: „Es tut mir leid. Bitte vergib mir. Danke. Ich liebe dich.“ Kannst du schon wahrnehmen, wie du dich leichter und befreit fühlst?

Schön, dann ist jetzt ja wieder Platz für Neues! Nun darfst du dir ganz bewusst alles Neue, was du in dein Leben ziehen und was du erschaffen möchtest, einladen. Erinnere ich an all die Punkte auf deiner Soll-Liste, die es verdient haben, endlich auch einen Platz in deinem Leben zu finden, und freue dich über die zwölf Monate, die nun darauf warten, damit gefüllt zu werden! Übrigens: Es kann auch sehr kraftvoll sein, sich eine Intention für das neue Jahr zu setzen und diese gut sichtbar aufzuhängen, sodass du täglich daran erinnert wirst. Eine mögliche Intention für das neue Jahr könnte beispielsweise lauten: „Die beste Zeit ist immer jetzt.“

In diesem Sinne: Viel Spaß bei der Inventur deines Lebens! Und vergiss nicht, dir Zeit zu nehmen. Du bist es wert.

Deine Leonie

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