von Monia-Diana Söhner

Heute ist wieder einer dieser Tage. Ich sitze in meinem Wohnzimmer, abgeschottet von der Außenwelt. Alles was ich in der Hand halte…mein Handy. Ich starre in das leuchtende Viereck vor mir und bewundere die ganzen tollen Stars und Blogger. Was ich dabei vergesse? Mich! Irgendwie fühlt es sich so an, als wäre ich ein Teil dieser Welt in diesem kleinen leuchtenden Ding. Als könnte ich, wie Mutter Theresa, die Welt verändern und doch fühle ich mich wieder nur wie ein einsamer Zuschauer.
Oft kommt es mir so vor, als wäre sogar das Thema Selbstliebe ein einziger Machtkampf um noch mehr Follower, Likes und darum, wer mit SEINEM Bild von Selbstliebe Recht bekommt. Die eine meint, es wäre besser, das Make-up wegzulassen. Der andere sagt, wenn du dich selbst liebst, brauchst du keine Filter. Die nächste ist der Meinung, dass Selbstliebe bedeutet, sich die Beine nicht mehr zu rasieren. Ich glaube, all das wäre Mutter Theresa egal gewesen. Denn es gibt echt andere Probleme auf dieser Welt, die es zu lösen gilt.

Selbstliebe vs. Nächstenliebe

Bei all den Anleitungen scheint es wirklich verwirrend zu sein, wenn man auf der Suche nach Selbstliebe ist. Dabei bleiben das Miteinander und die gegenseitige Akzeptanz total auf der Strecke. Sich einander in Instagram-Stories zu erwähnen, ist toll und gibt einem ein bisschen das Gefühl der Wertschätzung und Anerkennung. Doch vergessen wir dabei nicht die, die keine Stories machen, keine Likes und Follower bekommen? Was ist mit den Omas und Opas, mit den Blinden und den Menschen da draußen, die sich kein Ticket für diese virtuelle Welt leisten können? Wer geht raus in die reale Welt und schenkt ihnen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen?

Viele erzählen in der virtuellen Welt etwas von Selbstliebe und verwechseln diese schnell mit Selbstverliebtheit. Selbstverliebtheit bedeutet aber, dass du dich für wichtiger und wertvoller hältst als dein Gegenüber. In der Umgangssprache wird eine stark auf sich selbst bezogene Person, welche anderen Menschen geringere Beachtung als sich selbst schenkt, als selbstbewundernd bezeichnet. Das nennt man auch Narzissmus. Ein schlimmes Wort — ich weiß! Aber genau deshalb dürfen wir es nicht mit echter Selbstliebe verwechseln. Wie kann ich mich denn selbst lieben, wenn ich meinem Nächsten nicht die Chance gebe, sich so zu lieben und anzunehmen, wie er, sie oder es sich am liebsten mag?!

„Selbstliebe bedeutet die allumfassende Annahme seiner selbst in Form der uneingeschränkten Liebe zu sich selbst.“ Genau das erreicht man laut Erich Fromm, einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, indem man “die Selbstliebe als Grundlage dafür sieht, andere Menschen lieben zu können“. So wird Selbstliebe zumindest auf Wikipedia definiert. Daraus ergibt sich doch, dass Selbstliebe fest mit Nächstenliebe für Mensch und Umwelt verbunden ist!?

Liebe die reale Welt!

Gehen wir doch einmal in die reale Welt und suchen ernsthaft danach, was Selbstliebe bedeutet: Ich habe vor einiger Zeit ein Interview mit einem blinden Freund geführt und ihn gefragt, wie er Schönheit empfindet. Ihm ist es völlig egal, ob du einen Filter benutzt, ob du geschminkt bist oder ob du dich rasierst. Was für ihn zählt, ist die Art, wie du ihn behandelst und wie du mit dir selbst und deiner Umwelt umgehst. Wenn ich meine Oma nach Selbstliebe frage, würde sie mir wohl sagen: „Kind, sei doch wie du bist, egal ob du erfolgreich bist oder viele Fans hast“. Sie würde mir sagen, dass ich mich dafür annehmen und lieben darf, wer ich bin und was mich zu diesem Menschen gemacht hat. Sie würde mir sagen, dass Selbstliebe bedeutet, achtsam mit sich selbst umzugehen und nur das zu tun, was mir und anderen guttut. Sie würde mir sagen, dass Selbstliebe heißt, dankbar zu sein und liebevoll miteinander umzugehen. Für meine Oma ist Selbstliebe wahrscheinlich, wenn ich sie in den Arm nehme und ihr ab und zu Aufmerksamkeit und ein Lächeln schenke.

Liebe heilt!

Du kannst dich erst selbst lieben, wenn du auch deine Umwelt lieben kannst. So wie du mit dir umgehst, gehst du mit anderen um und umgekehrt. Diese Welt ist keine Ellenbogengesellschaft, in der einer besser als der andere sein muss. Diese Welt ist so viel mehr! Es macht keinen Sinn, sich selbst mehr zu lieben als seinen Nächsten und sich den Kopf zu zerbrechen, ob man sich nun die Beine rasieren soll oder nicht. Also geht raus, umarmt euch, liebt euch, erschafft Gutes miteinander und unterstützt euch gegenseitig.

 

Seid Liebe! Ganz nach dem Motto „We rise by lifting others“. Dann wirst du in einer großen Gemeinschaft mehr bewegen als allein! Liebe Dich! Liebe Deinen Nächsten! Ich bin mir sicher, dann werden wir alle die Selbstliebe erfahren, die dieser Welt fehlt.

 

 

Über Monia (bzw. was ihr Freund über sie sagt):

Normalerweise würde hier ein Text stehen, in dem es darum geht, wer Monia Söhner ist und was sie dazu berechtigt, hier einen Text zu schreiben. Aber so ist Monia einfach nicht. Für sie steht jemand anderes im Vordergrund. Nämlich Du. Das ist ihre Art von Selbstliebe.

Instagram: lets_be_you_tiful

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