Stell dir vor, du stehst nackt vor dem Spiegel. Wie fühlt sich das an? Ungewohnt? Gar nicht, weil du noch nie nackt vor dem Spiegel standest? Wunderbar? Frei? Schambehaftet? Schön? Unangenehm?

Wenn du eher negative Gefühle bei dem Gedanken daran empfindest, geht es dir wie vielen Frauen. Für viele Frauen ist Nacktsein ungewohnt, wenn nicht sogar unangenehm. Nach dem Duschen schnell anziehen, Sex lieber im Dunkeln und im Schwimmbad in der Einzelkabine umziehen – nackt zu sein bedeutet für viele, viele Frauen, Scham zu empfinden. Aber warum? Warum empfinden so viele von uns Scham in unserem natürlichsten Zustand?

Auch das hat, wie so vieles, mit Selbstliebe oder besser gesagt fehlender Selbstliebe zu tun. Sehr wahrscheinlich hast du irgendwann in deinem Leben – nein, nicht irgendwann, sehr wahrscheinlich in einer oder mehreren ganz bestimmten Situationen – geschlussfolgert, nicht schön genug zu sein. Vielleicht ein dummer Kommentar, vielleicht ein fieser Blick, vielleicht ganz viele böse Kommentare. Und davon hast du dich nicht erholt. Das hat sich tief in deine Gedanken, dein Herz und deinen Bauch gebrannt und macht jedes Mal Alarm, wenn eine Situation bevorsteht, in der du wieder verletzt werden könntest: „Achtung, du bist nicht schön genug, deshalb pass auf!“ Und so gehst du auf Nummer Sicher und vermeidest jede Situation, in der dir jemand etwas Verletzendes bezüglich deines Aussehens sagen könnte. Denn weitere Schmerzen würdest du nicht ertragen. Schließlich durchlebst du dank deiner eigenen Gedanken bereits deinen alten Schmerz ständig. Du bist nicht schön genug und deshalb bist du vorsichtig.

Was wäre, wenn du wüsstest, dass du deine eigenen Gedanken beeinflussen kannst? Dass du diesen alten Schmerz gar nicht wieder und wieder durchleben musst? Dass du dich nicht länger beschützen und vorsichtig sein musst, weil du stark genug bist? Was wäre, wenn du endlich wüsstest, dass du absolut richtig und wunderschön bist?

Es ist möglich, dass du diesen alten Schmerz loslässt. Und es ist sogar nötig, denn er hindert dich daran, frei zu sein und glücklich zu sein und das Leben zu leben, das du insgeheim so gerne leben möchtest. Und Nacktsein ist die absolute Freiheit. Um die Angst vor neuen Verletzungen loszulassen, kannst du anfangen, deine Gedanken und Gefühle zu beobachten, ohne sie zu bewerten. Werde achtsamer. Beobachte sie, lass sie sein und lass sie dann weiterziehen, anstatt an ihnen festzuhalten. Denn deine Gedanken und Gefühle, das bist nicht du. Dieser Gedanke, nicht schön genug zu sein, ist nicht du und auch nicht wahr. Wenn du das erkennst, befreist du dich selbst. Und dann kannst du dir andere Gedanken suchen, die du lieber denken willst.

Und dann stell dich nackt vor den Spiegel und schau dich an. Mit allem, was du bist. Deine Arme, die so viel festhalten, das dir lieb ist. Deine Beine, die dich jeden Tag durchs Leben tragen. Deine Füße, die dir helfen, deinen eigenen Weg zu gehen. Deinen Kopf, in dem so unendlich viel Weisheit steckt. Deinen Bauch, der so viel Emotion und Gefühl in sich bewahrt. Und deine Brust, in der dein starkes Herz immer für dich schlägt – egal, was passiert. All das, was du da siehst, ist ein Wunder. Und Nacktsein befreit dieses Wunder.

Also feiere dich selbst, das Wunder, das du bist, und tanze nackt durch deine Wohnung! Genieße deine neue Freiheit! Es fühlt sich wunderbar an!

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