Mein Name ist Steven Preisner und ich bin ein Bauchmann. Ja, die gibt es selbstverständlich auch. Männer haben genauso mit Selbstzweifeln und Selbstakzeptanz zu kämpfen wie Frauen – auch wenn sie oft zu stolz oder zu „männlich“ sind, um sich dies einzugestehen.

Meine Reise zur Selbstakzeptanz und Selbstliebe ist vielleicht eine, wie sie viele von euch kennen. Ich war schon immer ein bisschen anders – etwas dicker, etwas lauter und vielleicht auch ein bisschen drüber.

Schon zu meiner Schulzeit habe ich schnell gemerkt, dass mit mir (vermeintlich) etwas nicht stimmt – ich nicht schön und beliebt genug war. Oft habe ich mich verkrochen und geärgert, dass man mich nicht so akzeptierte wie ich eigentlich war: lustig und lebensfroh. Ich war der Junge zum Verlieben auf den 4. Blick. Ich empfand mich damals auch einfach als nicht genug für meine Mitmenschen.

Ich mochte meinen dicken Hintern nicht und auch meinen gierigen Bauch konnte ich nie so richtig leiden. Unzählige Male habe ich versucht die beiden elenden Störenfriede loszuwerden. Eines war mir glasklar: Wenn ich endlich ein bisschen abspecke, dann werden die anderen mich besser finden und ich mich selbst natürlich auch. Aber Pustekuchen! Ich war auch schon mal um einiges dünner, aber das Abnehmen hat mich nicht glücklicher gemacht. Denn sich selbst zu lieben hat nichts oder nicht nur mit dem Äußeren zu tun. Sich selbst zu lieben bedeutet, sich selbst zu akzeptieren und wertzuschätzen! Sich selbst so zu nehmen, wie man ist – mit allen Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten oder Wölbungen und Dellen.

Bei mir hat sich einfach der Schalter umgelegt, als ich zarte 20 Jahre alt wurde – ich hatte keine Lust mehr, mich an den vermeintlichen Schönheitsidealen messen zu lassen. Dazu muss ich vielleicht erwähnen, dass ich Schauspiel studiert habe und endlich auch mal reale Vorbilder im TV sehen wollte. Nicht immer wieder die gleichen hageren Schönheitsköniginnen und hochglanzpolierten Strahlemänner. Für mich gab es damals im Fernsehen kaum bis keinen, mit dem ich mich identifizieren konnte – höchstens Dirk Bach. Endlich mehr Vielfalt in der Öffentlichkeit, das habe ich mir schon immer gewünscht – schließlich kann auch ein übergewichtiger Mann ein guter Liebhaber sein. Aber das sieht man im deutschen TV leider nicht so gern – und warum? Versteht mich nicht falsch, ich liebe meinen Job und ich verkörpere sehr gern lustige, skurrile und abstruse Rollen – aber wieso sollen dicke Menschen im TV nicht auch sexy oder verführerisch rüberkommen dürfen?

Von da an habe ich gemacht, was ich wollte – habe keine Diät gehalten, denn für die Liebhaberrollen war ich eh nicht der Typ und ich esse auch einfach viel zu gern. Und ich habe mir immer die Frage gestellt: Wenn ich mir selbst im Leben so viel verbiete, habe ich dann noch Spaß daran? Ich habe auf meinen Bauch gehört und angefangen ihn zu mögen – ja, er ist manchmal impulsiv und tut mir auch oft weh, wenn ich zu viel lache. Aber im Großen und Ganzen ist er echt ein guter Ratgeber.

Die Rollen, die ich jetzt spielen darf, bekomme ich, weil ich überzeuge und ich eben den Bauch habe, der zu mir gehört. Und nicht, weil ich vermeintlich hübsch genug bin, um eine sexy Szene spielen zu dürfen.

Und glaubt mir, mich selbst zu lieben hat mein Leben so viel leichter gemacht – wie ironisch, da ich ja eigentlich vom Gewicht her schwerer geworden bin. Ich weiß, was ich an mir habe und was ich sehr an mir mag. Und das ist verdammt nochmal wichtig! Du bist nämlich so viel mehr als deine Kleidergröße – du bist wertvoll und dessen solltest du dir immer wieder bewusstwerden.

Ich will nicht lügen, selbstverständlich habe ich auch manchmal Tage, an denen ich mich selbst nicht ausstehen kann. Tage, an denen ich mal wieder zu drüber bin oder mir meine Selbstzweifel im Weg stehen. Dennoch muss man stets gut mit sich selbst und seinen Mitmenschen umgehen! Sich selbst zu lieben bedeutet für mich eben nicht purer Egoismus – man sollte einen guten Mittelweg zwischen sich und seinen Mitmenschen finden. Man sollte jedem die gleiche Wertschätzung gegenüberbringen, die man sich selbst auch wünscht!

Hör auf, deinem Glück selbst im Wege zu stehen – sperr die Tür weit auf und bitte es herein!

Eines musst du dir aber immer bewusst sein: Du verbringst 24 Stunden am Tag mit dir selbst und wie schlimm wäre es, dich selbst nicht leiden zu können? Wer verbringt denn schon gern Zeit mit jemanden, den man nicht leiden kann? Also hör auf deinen Bauch und fang endlich an, deine Stärken zu zählen und nicht deine vermeintlichen Makel!

Steven Preisner: Instagram @steven_preisner

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