Woher die Angst vor dem Begriff „Dicksein“ kommt und wie du sie verlierst

Sandra Wurster | 22 January, 2020


          
            Woher die Angst vor dem Begriff „Dicksein“ kommt und wie du sie verlierst

Ich bin dick. Wie fühlst du dich, wenn du diesen Satz liest? Unbehaglich? Verspürst du den Impuls, mir zu sagen, dass ich doch gar nicht dick bin? Oder beziehst du den Satz direkt auf dich selbst und denkst, ja stimmt? Und fühlst dich noch unbehaglicher, weil du ja nicht dick sein willst?

Diese drei Worte können ein Gedankenchaos anstoßen, aus dem du nicht so einfach wieder herausfindest. Krass, oder? Was drei Worte verursachen können. Aber wieso haben diese drei Worte und in erster Linie natürlich das Wort „dick“ so eine Kraft? Woher kommt diese Macht?

Falsche Assoziationen

Mit Sicherheit kennst du – egal, welches Gewicht und welche Figur du hast – die Frage „Hast du abgenommen?“ von deiner Oma, deiner Tante oder auch deiner eigenen Mama. Tatsächlich kommt dieser Satz meistens von Frauen. Und du kennst sicherlich auch das leicht beschämte Lächeln, mit dem du darauf reagierst. Denn, unabhängig davon, ob du tatsächlich ein paar Kilos verloren hast – aus welchen Gründen auch immer – oder nicht, weißt du nicht, wie du auf diese Frage reagieren sollst. Aber in dir spürst du Freude. Denn Abnehmen ist etwas Gutes, weil Dünnsein ja das Ziel ist. Du hast also gerade ein Kompliment bekommen und darüber freust du dich natürlich.

Hast du abgenommen? Auch das sind nur drei Worte. Und trotzdem haben sie die genau entgegengesetzte Wirkung auf dich wie die drei Worte „Ich bin dick“. Tief in dir hast du die Assoziationen von Abnehmen = Gut und Dünnsein = Ideal abgespeichert, so wie die meisten von uns. Wenn dir also jemand sagt, dass du schlanker aussiehst, fühlt sich das gut für dich an, weil du dem Ideal näherzukommen scheinst. Dadurch wird auch dein Selbstwertgefühl gepusht. Und eine weitere Assoziation entsteht: Dünn = Wertvoller. Du machst deinen eigenen Wert von drei Worten abhängig. „Hast du abgenommen“ steigert deinen Wert um ein Vielfaches, „Ich bin dick“ senkt ihn dramatisch

Wie du deinen eigenen Wert nicht länger beeinflussen lässt

Nun stellt sich die Frage: Möchtest du, dass drei Worte eine solche Macht besitzen, dass sie sogar deinen Selbstwert beeinflussen können? Vermutlich und hoffentlich ist deine Antwort darauf: Nein! Und tatsächlich gibt es einen Weg heraus aus dieser automatischen Kette an Reaktionen und Assoziationen, die immer im Schmerz endet.

Denn du kannst selbst entscheiden, welche Macht du Worten geben möchtest. Ja, diese Power hast du! Mindestens genauso krass wie die Tatsache, dass du früher Worten diese Macht einfach zugestanden hast und von ihnen deinen Wert beeinflussen hast lassen, ist deine Power, ihnen diese Macht wieder zu entziehen. Wie du das schaffst?

1. Erkenne diese Kraft in dir! Werde dir bewusst darüber, dass du alleine die Schöpferin deines Lebens bist und die Verantwortung für alles trägst, was du denkst, fühlst und tust. Diese Verantwortung ist groß, aber schenkt dir gleichzeitig diese unglaubliche Kraft, alles selbst bestimmen zu können!

2. Schau dir die Worte einmal an, die Gedankenchaos und starke Gefühle in dir auslösen – sowohl negativ als auch positiv. Speziell die Begriffe, die mit deinem Äußeren zu tun haben. Dick, dünn, Abnehmen, Zunehmen und so weiter. Fühl auch gerne einmal in dich rein, was sie schon beim daran Denken in dir auslösen. Mit ein bisschen Achtsamkeit spürst du schnell, welche Worte dich triggern.

3. Lösche die Bewertung! Das klingt nach Hokuspokus, klappt aber auch ohne Zauberkräfte. Versuche einmal einen Tag lang alles, was passiert, neutral zu betrachten, ohne Wertung. Es bedarf etwas Übung, aber es funktioniert. Worte haben erst einmal keinen negativen oder positiven Einfluss mehr auf dich, es sei denn, du möchtest es. Du hast die Entscheidungskraft!

4. Schaffe dir kleine Rituale im Alltag, die dich an deine unvollkommene Vollkommenheit und deinen unermesslichen Wert erinnern. Denn dein Wert ist von absolut nichts im Außen abhängig – weder von Leistungen noch von Besitz noch von deinem Aussehen. Ein Ritual kann beispielsweise eine Erinnerung sein, die du dir um eine bestimmte Uhrzeit auf dein Smartphone kommen lässt, wie etwa „Ich bin wertvoll!“. Ein anderes Beispiel ist das Ritual, das du dich abends vor deinen Spiegel stellst und dir dafür dankst, was du am Tag alles erreich hast. Dabei zählt jeder noch so kleine, ganz persönliche Erfolg!

Wichtig ist, dass du frei davon wirst, dass die Bewertungen deines Äußeren deinen eigenen Wert beeinflussen. Denn du bist mit einem unermesslichen Wert auf diese Welt gekommen und kannst diesen Wert nicht verlieren, durch nichts und niemanden. Wenn du das begreifst, sind auch Worte nur noch Worte. Ein „Du bist schön“ oder ein „Ich liebe dich“ können dir Freude bereiten, doch auch sie können nichts an deinem Wert ändern. Und hältst du dir deinen Wert mit kleinen Erinnerungen jeden Tag vor Augen, wächst du selbst immer mehr in ihn hinein und kannst irgendwann gar nicht anders als dich selbst zu feiern!

Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.