Gastbeitrag von Tanja Peters (Instagram: @diemutberaterin)

Ich erinnere mich, als Kind war das der krönende Abschluss eines freudigen und heiß-nassen Tages im Freibad. Die Ohren noch voll mit Wasser, den Chlorgeruch in der Nase, geschafft, hungrig, nass und vorm letzten Duschen noch eine heiße, salzige, fettige Pommes mit Mayo. Damals habe ich die im Bikini oder Badeanzug gegessen und nie haben Pommes so gut wie nach einem Tag im Freibad geschmeckt. 

So unbeschwert wie als Kind habe ich die Sommerzeit danach nie mehr genossen. Seit meinem 12.Lebensjahr bin ich mir über meinen Körper und darüber, dass dieser einem bestimmten Ideal entsprechen sollte, sehr bewusst. Eine Zeitlang habe ich es mit Diäten geschafft, diesem Ideal zu entsprechen, aber selbst mit 50 Kilo habe ich noch andere Dinge an mir gefunden, die dann nicht richtig waren.  

Die letzten 34 Sommer habe ich eher mit negativen Emotionen verbunden. Was ziehe ich bloß an? Wie kann ich meine dicken Oberarme verstecken, ohne dauernd zu schwitzen? Wie überstehe ich den Sommer, ohne schwimmen zu gehen? Warum kann ich nie unbeschwert die Wärme und die Sonne genießen? 

Dieser Sommer ist spürbar anders. Denn ich habe endlich ein paar Dinge verstanden, und zwar nicht nur mit dem Geist, sondern auch mit dem Herzen und meinem ganzen Sein. 

Schönheit ist nicht die einzige Annäherung an unseren Körper

So langsam wird mir klar, dass Schönheit oder eher gesagt das Schönheitsideal, das wir täglich serviert bekommen, nicht der einzige Maßstab für Körper sein muss. Ich entdecke zunehmend meine Stärke, sehe meine Talente, nehme meine Kraft und Gesundheit wahr und bin immer wieder erstaunt, wie wunderbar mein Körper mir Rückmeldung gibt, wie klug mein Körper manche Themen für mich löst und wie er sich selbst heilt und entwickelt. Ein wahres Wunderwerk. 

Statt also ständig in den Spiegel zu schauen, nehme ich meinen Körper mehr und mehr über das Spüren wahr. Statt morgens auf die Waage zu steigen, streichle ich über meinen Bauch und frage: Brauchst Du schon Nahrung oder lieber erst später? Statt im Spiegel alle Perspektiven zu checken, schenke ich mir lieber ein Lachen und bestätige damit: Heute wird ein Granaten-Tag und ich habe Bock auf dieses Leben!

So langsam kann ich meine Fülle mehr und mehr annehmen und entdecke damit auch wieder Dinge an mir, die ich schön finde – aber eben im Angesicht der wachsenden Liebe und Wertschätzung für meinen Körper und nicht im Vergleich zum bestehenden Schönheitsideal. 

Wie viel Energie es kostet

Und am meisten bin ich erstaunt darüber, wieviel Energie ich daraus gewinne – oder sollte ich sagen, nicht mehr verliere?

Manchmal glaube ich auch, dass das ein Teil der Antwort ist, warum wir als Frauen immer noch nicht den Platz in der Gesellschaft eingenommen haben, der uns zusteht. Warum wir immer noch weniger Geld verdienen als Männer. Warum wir nicht in Vorständen, Geschäftsleitungen und an der Spitze der Politik und Wirtschaft stehen. Vielleicht, weil wir so viel Energie und Zeit verlieren mit den ständigen Gedanken über unsere Körper und unsere Schönheit. 

Du glaubst mir nicht? Dann lade ich Dich auf ein Experiment ein: Notiere Dir einfach mal drei Tage lang, wieviel Energie und Zeit Du mit dem Thema Körper und Schönheit verbringst. Alles, was Du im Netz und in Zeitschriften liest, was Du denkst und worüber Du mit Deiner Freundin sprichst. Notiere Dir die Zeiten und markiere Dir, wieviel Energie Dich das gekostet hat. Am Ende der drei Tage kannst Du Deine Aufzeichnung auswerten. Ich bin mir sicher, die Bilanz wird meine These unterstützen. 

In dieser Zeit hättest Du sicherlich eine Gehaltsverhandlung führen, einen Artikel schreiben, ein Projekt abschließen oder eine Pommes im Bikini essen können. Und wenn Du Dir das mal auf ein Jahr hochrechnest, na, dann kannst Du Dir vielleicht vorstellen, wieviel Energie wir an der falschen Stelle verbrennen und was passieren würde, wenn ab morgen alle Frauen voll und ganz JA! zu sich und ihrem Körper sagen würden. 

Ich habe die Idee, es könnte die Welt verändern! Wenn Du auch Lust hast, erst Deine und dann die ganze Welt zu verändern, kommen hier noch drei gute Gedanken für Dich: 

  • Habe den MUT, Dich genauso anzunehmen wie Du nun mal bist. Einen anderen Körper gibt es in diesem Leben nicht mehr! Diesen MUT kannst Du jeden Tag trainieren. Am besten startest Du mit der „Gedanken- Hygiene“. Immer wenn Du Dich dabei erwischst, dass Du etwas Negatives über Deinen Körper denkst oder sagst, sage innerlich STOP. Höre auf damit, atme tief ein und aus und sage laut drei Dinge, die Du an Deinem Körper schätzt und liebst. Mache das konsequent und Du wirst sehen, nach und nach verändert sich die Farbe Deiner Gedanken und damit auch der Blick auf Deinen Körper.  
  • Trainiere den MUT, Deinen Körper so zu zeigen wie es Dir passend erscheint. Mache kleine Schritte, wenn Du Dich noch nicht direkt alles traust UND bleibe dran – jeden Tag ein bisschen mehr. Sollte es auf eine kurze Hose oder Deinen neuen Bikini eine abwertende Antwort von Deiner Umwelt geben, hilft Dir vielleicht dieser Satz: Deine Meinung zu meinem Körper ist für mein Leben nicht relevant. Punkt. 
  • Wir haben nur diese eine Lebenszeit, trau Dich ganz und gar Du zu sein und Dich mit allem zu leben, was dazu gehört. Trau Dich in die Arena des Lebens, ohne Maske und mit offenem Visier, und erlaube Dir alles auszuprobieren und zu genießen, so wie es eben für Dich passt – Pommes im Bikini inklusive.

Herzlich, Deine Tanja

Über Tanja

Tanja Peters bringt Menschen Mut bei – als Speakerin, Autorin und Podcasterin. Denn sie ist der Meinung, Mut ist wie ein Muskel, der trainiert werden kann – jede*r kann mutig sein. Mit ihrem sogenannten Mutmuskeltraining (z.B. in ihrem gleichnamigen Buch) zeigt sie Menschen, wie sie mutiger werden, sich abgrenzen und für sich einstehen lernen. Diese absolute Powerfrau hat ihre eigene Lebensbühne betreten – vielleicht inspiriert sie dich ja dazu, das gleiche zu tun.

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