Die 12 Goldenen Stunden

Sandra Wurster | 03 May, 2022


          
            Die 12 Goldenen Stunden

Ich hatte vor kurzem einige alte Freunde zu mir eingeladen, zuerst war die Stimmung recht entspannt. Deshalb erzählte ich ihnen auch voller Vorfreude, dass ich mir demnächst einen recht hochpreisigen Pyrid Stein anschaffen würde. Energetisch steht dieser unter anderem für finanzielle Fülle und Klarheit. Doch für mich symbolisiert er darüber hinaus zusätzlich den unbesiegbaren Glauben an mich selbst und die absolute Zuversicht, dass nun, nach 5 Jahren Aufbau unseres Onlineshops - es wieder an der Zeit ist, den Fokus mehr auf meine eigene Karriere zu richten (ein großer Schritt für mich). Statt wie erhofft eine faszinierende Reaktion zu erhalten, dass ich mir eben mittlerweile einen Stein in solch einem hohen Wert beschaffen kann, wurde darüber eher gespottet und zu meinem eigenen Entsetzen sprang ich mit auf dieses Pferd (Hallo, Psychologie der Massen).

Später am Abend kam es zwischen einer Freundin und mir zu einer besonders hitzigen Diskussion. Sie arbeitet als Sozialarbeiterin, macht meines Erachtens mehr als einen guten Job und ist zudem oft so bemüht in ihrer Arbeit, dass sie recht wenig „Mühe“ noch für ihr eigenes Leben über hat. Unter anderem arbeitet sie mit geflüchteten Menschen, die oftmals traumatisiert sind und mit vielen anderen Herausforderungen zu kämpfen haben. Sie erzählte, dass vor kurzem ein geflüchteter Junge zu ihr meinte, dass die Aufschrift, die er auf einem Plakat gelesen hatte „Du kannst alles werden, was du willst“ er für eine ordentliche Lüge hielt. Und sie stimmte Ihm zu. 

Darauf hin meinte ich, dass sie ja wisse, dass ich das anders sehen würde, weil wir uns bereits vor einiger Zeit darüber unterhielten. 

Naja, nicht jeder kann ein Elon Musk werden. So ein bisschen mehr Geld wäre uns doch allen recht, gab sie drauf zurück. 

Diese Argumentation fand ich wahnsinnig interessant, weil ich stark bezweifle, dass alle Menschen wie Elon Musk sein wollen. Ich bin mir sogar sehr sicher, dass es eher darum geht, die eigene Erfüllung zu finden und den Mut aufzubringen, aus der ganzen Gesellschafts-Matrix und den Konditionierungen auszutreten. Das kann zwar für einen das große Geld sein, für jemand anderen allerdings vielleicht das verführende Leben als Digital-Nomade und wiederum für jemand anderen eine 2 Tage Arbeitswoche. Unsere Bedürfnisse sind völlig unterschiedlich und das ist meines Erachtens nach auch gut so. Doch was wir uns sicherlich alle mehr wünschen, ist uns authentisch mit unseren Herzthemen mehr zu verbinden, uns lebendiger statt stets erschöpfter zu fühlen und einen realistischen Ausweg aus dem Hamsterrad und der Ohnmacht zu finden. 

Zudem bezweifle ich stark, dass den meisten Menschen bewusst ist, wie das Leben eines Elon Musk aussieht. Leider weiß ich da auch nicht unbedingt arg viel mehr - doch ich kann mir gut vorstellen, dass er unter anderem jeden Tag mehrere schwere Entscheidungen bewusst treffen muss und zudem Gewohnheiten pflegt, die seinem Mindset nicht nur dienen, sondern die sich sogar von denen der meisten anderen Menschen unterscheiden. Bill Gates zum Beispiel trägt täglich 5 wirklich dicke Bücher mit sich rum und liest diese natürlich auch - sein wahres Gold ist ihm anscheinend mehr als bewusst. 

Alles was wir letztendlich zu sehen bekommen, ist noch so viel weniger, als die Eisspitze, die Endergebnisse der Ziele, doch können wir nur Ansatzweise erahnen wie Anstrengend und voller Hingabe die Wege, die selbst erwählten Strategien sind. Wie heißt es so schön: alle wollen ins Paradies, aber niemand will sterben. Damit ist gemeint, das alte Leben, die alte Identität hinter sich zu lassen und jeden Tag aufs Neue sich für das Unbekannte, Unkonventionelle - eben für die Geschichte, die man über sich selbst erzählen mag, zu entscheiden. Dazu kommt, dass viele Menschen (meines Erachtens auch meine Freundin) noch nicht ganz verstanden haben, dass Erfolg und Karriere nicht impliziert, automatisch glücklich zu sein. 

Nach einer weiteren Runde des Wortgefechtes fragte sie mich dann, was ich diesem jungen Mann denn raten würde, wenn ich wüsste, dass er trotz seinen ganzen Bemühungen dennoch wieder abgeschoben werden würde. Darauf antwortete ich: 

  1. Er solle sich nicht auf lebensverändernde Ziele konzentrieren, sondern auf lebensverändernde Strategien (Ziele sind meistens kurzweiliger, fällt das Ziel weg, ist die Motivation auch fort - dabei dienen uns Strategien lebenslänglich. Zum Beispiel jeden Tag 5 Seiten zu lesen wirkt im jetzigen Moment erstmals sehr nüchtern, doch bis ans Lebensende jeden Tag 5 Seiten aus Büchern zu lesen, lässt die Dimension von lebensverändernden Strategien erahnen). 
  2. Ihm erklären, dass seine Aufmerksamkeit seine kostbarste Währung auf diesem Planeten ist. Und deshalb ist es umso wichtiger, dass ihm bewusst wird, mit was er sich vor allem auf feinstofflicher Ebene füttert. Welche Bücher liest er (kostenlosen Bücherausweis erstellen)? Mit welchen Menschen verbringt er seine Zeit? Worauf setzt er seinen Fokus? 
  3. Was interessiert ihn wirklich? Wo befinden sich seine Begabungen? Inwiefern kann er seine Zeit hier effektiver nutzen, gibt es irgendwo die Möglichkeit eines Praktikums, eines kleinen Jobs oder eines Gespräches mit einer Person, die bereits das Leben führt, die Arbeit tätigt, die er sich wünscht? 
  4. Den eigenen Glauben an sich selbst jeden Tag füttern, sei es mit Motivationssprüchen oder Affirmationsübungen. Innere Arbeit ist wichtige Arbeit! (Muhammad Ali - Es ist nicht der Berg, der dir zum klettern so hoch erscheint, es ist der Kiesel in deinem Schuh.). 

Klar, dadurch wird nicht plötzlich alles möglich, doch vieles möglicher als zuvor, meines Erachtens ist das bereits einiges Wert. 

Es ist der Beginn aus der eigenen Ohnmacht heraus und dafür in die Eigenverantwortung hinein. 

Darauf hin schüttelt meine Freundin den Kopf und meint, dass sie es eben nicht so spürt wie ich. Dass sie daran nicht glaubt, dass dies alles für positive Veränderungen in seinem Leben sorgen kann. Und das ist doch ein spannender Punkt und absolut kein Vorwurf. Denn wenn ich jeden Tag mit Menschen zusammen arbeiten und leben würde, die in einer frustrierenden Ausgangslage gefangen wären, wüsste ich auch nicht, ob ich so daran glauben könnte, wie ich es jetzt in dem Moment tue. Doch meine Freundin ist meines Erachtens eine authentische Person, die immer ihr bestmögliches gibt. Bedeutet, wenn sie nicht daran glaubt, das dieser Junge einiges mehr aus sich und seinem Leben, sogar in der aktuellen Situation, machen kann; dass es etwas wie das Prinzip der Anziehungskraft gibt; dass das Universum stets für uns ist und keine Fehler macht - wird sie ihn nicht belügen können. Ansonsten wäre es ja fast so, als würde sie aus dem Nichts heraus plötzlich an die Magie eines sehr kostspieligen Steines glauben, unmöglich. 

Warum ist das so? Wieso können wir anderen Menschen in brenzligen, frustrierenden und meist herausfordernderen Lebenslagen keinen wichtigen Game-Changer oder Hoffnungsschimmer bieten, obwohl sie es doch genau dann am dringlichsten benötigten? Könnte es sein, dass es etwas mit der drastischen Tatsache zu tun hat, dass wenn wir selbst trotz unserer ganzen Privilegen es bisher nicht schaffen uns gut, achtsam und erfüllend durchs Leben zu tragen, dann einfach davon aus gehen, dass es andere erst recht nicht könnten? Ist das Scheitern der anderen eine Bestätigung für unser eigenes begrenztes Leben?

Aber nur weil wir uns selbst noch nicht den Beweis geliefert haben, bedeutet dies nicht, das die Geschichte, die wir uns selbst da aufgetischt haben, letztendlich die Wahrheit ist.

Nach dieser Argumentation hörte ich plötzlich Aussagen von meinen Gästen wie: „Sandra, du kannst dich nicht mit diesem Jungen vergleichen, nicht jeder ist so willensstark wie du“. „Sandra, dann darf man auch nicht vergessen, dass du talentiert bist und Glück hattest, zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Idee aufgetaucht zu sein“. 

Anscheinend hatten meine lieben Gäste vergessen, wie oft ich zuvor bereits in meinem Leben Niederlagen einstecken musste oder mit der ein oder anderen Geschäftsidee bereits gescheitert war und und und … Darauf hin antwortete ich, dass ich genau wie jede andere Person die Wahl zwischen Opferhaltung oder Eigenverantwortung hatte, dass mein größtes Talent darin bestand, mir selbst die Erlaubnis zu geben meine eigene Wahrheit zu leben und das Wort Glück in diesem Zusammenhang all meine Arbeit an meiner eigenen Heilung und Persönlichkeit (die seit Jahren einen zentralen Raum in meinem ganzen Leben einnimmt) extrem mindern würde. Und dass ihre Aussagen meines Erachtens mich entweder wie das 8. außergewöhnliche Weltwunder darstellten oder eben alle anderen, sich selbst eingeschlossen, massiv Macht und Kraft absprachen. 

Faktisch betrachtet kann man tatsächlich nicht leugnen, dass Frauen schwereren Bedingungen ausgesetzt sind, als Männer; schwarze Frauen wiederum schwereren Bedingungen, als weißen Frauen; Personen mit Migrationshintergund wiederum schwereren Bedingungen ausgesetzt sind, als Personen ohne; und Menschen mit Behinderungen schwereren Bedingungen, als Menschen ohne Behinderungen.

Doch liegt es nicht in der Natur unserer Gesellschaft unseren Fokus stets darauf zu konditionieren, was anscheinend nicht funktioniert - bis endlich jemand zeigte, dass es doch ging. Könnte es nicht sein, dass wir gar nicht darauf vorbereitet werden, selbstermächtigend uns in diesem Leben bewusst so zu entwicklen und zu entfalten, wie wir es wirklich wollen? Falls an dieser These etwas dran sein sollte, ist der Inbegriff von Eigenverantwortung sich das Jammern abzutrainieren, egal wie mühselig es ist. Und ich gehe noch einen Schritt weiter und wage die Behauptung, dass bevor wir uns dies nicht wirklich abtrainieren, wir stets Ausreden und Ablenkungen finden werden, um nicht Mögliches möglicher machen zu können. 

Denn wenn es nicht unsere Herkunft oder unsere Hautfarbe ist, dann wären es eben andere Argumente; wie unser Gewicht oder unsere Sexualität oder unsere Kindheit, die wir als Rechtfertigung für die angezogene Handbremse, mit der wir durchs Leben tuckern, benötigten. 

An dieser Stelle empfehle ich den Film „Don't worry, weglaufen geht nicht“. Der nochmals extrem gut heraus kristallisiert, was möglicher wird, wenn wir bereit sind, die Schuldfrage und die Ausreden hinter uns zu lassen.

Ich möchte nochmals spezifischer auf den letzten Punkt eingehen, den ich dem jungen Mann mitgeben würde und jedem Menschen auf dieser Welt. 

Der Glaube an dich selbst, noch nicht mal unbedingt an deine Arbeit oder deine Ideen, sondern wirklich in dich, ist der fruchtbare Boden (oder eben nicht) für alles was in deinem Leben wachsen kann. Die meisten Menschen verschwenden beträchtlich viel Zeit, um ihre Existenz stets zu rechtfertigen, unter anderem in dem sie von den falschen Leuten gebraucht und gewollt werden wollen und für die falschen Dinge Anerkennung und Lob benötigen. An sich selbst zu glauben ist das absolute Gegenteil davon.  

Zudem kann es doch kein Zufall sein, dass fast alle großen und bekannten Visionäre den Glauben an sich selbst stets als wichtigste Voraussetzung und Kraft ihres eigenen Werdeganges bezeichnen. Kommt bestimmt nicht von ungefähr, mussten sich die meisten auf ihrem Weg anhören, dass sie verrückt, komisch und Träumer seien. Hätten sie den Meinungen der anderen mehr Glauben als dem eigenen beigemessen, wären wir heute einiges an Entdecker*innen, Unternehmer*innen und Künstler*innen ärmer. Lassen wir sie selbst sprechen: 

  • Henry Ford: „Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall Recht behalten“
  • Virginia Satir: „Wir dürfen uns nicht durch die begrenzten Vorstellungen anderer Leute definieren lassen.“
  • Abraham Lincoln: „Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.“
  • Ralph Waldo Emerson: „Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, sind winzige Dinge im Vergleich zu dem, was in uns liegt.“
  • Judy Garland: „Sei eine erstklassige Ausgabe deiner selbst, keine zweitklassige von jemand anderem.“
  • Soren Kierkegaard: „Das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein.“
  • Eleanor Roosevelt: "Niemand kann Dir ein Minderwertigkeitsgefühl aufzwingen ohne Deine Bereitschaft dazu.“

Sobald du anfängst beharrlich an dich selbst zu glauben, beginnt das Spiel des Lebens erst wirklich. 

In einer Sache muss ich meinen Gästen allerdings Recht geben, in einer Sache hatte ich wirklich wahnsinniges Glück. Meine ständigen Bemühungen die Lebenssituation, in die ich hineingeboren wurde, nicht einfach so hinzunehmen, sondern Stückchen für Stückchen durch mich selbst zu transformieren wurde gesehen und ich hatte immer tolle Menschen um mich herum, die mich unterstützen. Vor allem mit ihrem Glauben an mich - als ich sie mal fragte, wieso sie ausgerechnet mir halfen, bekam ich die Antwort, das sie nicht anders konnten. Heute verstehe ich, was sie meinen! 

Wenn mich heute jemand fragen würde, was meines Erachtens die Welt, unsere Gesellschaft, das Dasein eines jeden einzelnen wahrhaftig positiv beeinflussen kann, dann ist es das: man spürt, dass jemand an einen glaubt. Es ist ein ganz besonderer Vertrauens-Vorschuss, nämlich Liebe… Übrigens hat all die Unterstützung und Liebe, die mir zugetragen wurde, dazu beigetragen, dass ich sie nun wiederum weiter tragen kann, ist das nicht fantastisch? 

Doch bevor wir an andere Menschen glauben können und diese auf ihrem Weg wirklich unterstützen, kommen wir gar nicht daran vorbei, uns mit unserem eigenem Glauben an uns selbst zu beschäftigen. Glücklicherweise liegen vor uns jeden Tag neue 12 Goldene Stunden, die wir dafür nutzen können. Du entscheidest: investierst du oder findest du Ausreden?

Vergiss nicht, deine Aufmerksamkeit ist deine teuerste Währung, dein wahres und wichtigstes Kapital in diesem Leben.

Eins noch, ich glaube an Dich. 

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