Gastbeitrag von Dunja Wermter (Instagram: @dunjawermter)

Home-Yoga, Klangschalen-Meditation, Wellness im eigenen Badezimmer, Mandalas malen oder sich ein Dinner-For-One Deluxe zubereiten. So oder so ähnlich lesen sich die vielen Ratschläge und Tipps zum Thema Selbstliebe, Me-Time und Achtsamkeit.

Vielleicht wirken diese „Ich verwöhn mich”-Rituale im ersten Moment befremdlich auf dich. Für manche Menschen können Stille und Rückzug auch der pure Horror sein. Ganz davon abgesehen, dass du Kochen womöglich schon seit deiner Kindheit ganz schrecklich findest. Und vielleicht bist du es auch gar nicht gewohnt, mit dir allein zu sein und dich auf kreative Art und Weise zu beschäftigen. In deinem Elternhaus wurde diese Art der Selbstfürsorge vielleicht völlig überbewertet oder gar verspottet. Oder du bist Mama und bist es gar nicht mehr gewohnt, in dich hineinzuhören.  

Brauchen wir Zeit für uns? 

Sich selbst wichtig zu nehmen, sich Zeit zu gönnen und mal nicht abrufbereit für Job, Kind und Partner*in zu sein, kann zunächst einmal merkwürdiges Gefühle in dir hervorrufen. Die Zeit mit sich allein zu füllen und etwas zu machen, was dir von ganzem Herzen Lust und Freude bereitet, kann durchaus ein inneres Unbehagen auslösen. Vielleicht ist es die Angst vor der Leere, das schlechte Gewissen, egoistisch zu sein, oder aber dir fällt schlicht und ergreifend einfach gar nichts ein, was du für dich und vor allem mit dir machen könntest. 

Vielleicht weißt du mit deiner Me-Time nicht wirklich etwas anzufangen, weil du Anteile deiner Persönlichkeit und Facetten gar nicht so richtig kennst. Oder du gehörst zu den Menschen, die nicht  der Typ dafür sind, ihre Zeit genussvoll allein zu verbringen. Dann findest du deine glücklichen und unbeschwerten Momente eher in der We-Time. Und auch das ist völlig in Ordnung.  

Aber warum eigentlich der Aufruf und das Geschrei nach einer Quality Time? Brauchen wir diese Zeit tatsächlich für uns oder ist das alles nur viel Tamtam und Psychogerede um Nichts? Nach dem Motto: Die Welt dreht sich schließlich auch ohne mich. 

Wieviel bist du dir wert? 

Gehörst du zu den Menschen, die dazu neigen, die Ansprüche an sich selbst sehr hoch zu legen? Immer mindestens 110 Prozent zu geben, immer diejenige zu sein, die zu allem und jedem „Ja“ sagt und sich häufig den Druck selbst auferlegt? Kurzum: Du versuchst es allen Menschen in deinem kleinen Universum recht zu machen, mit dem Resultat, dass du dich selbst irgendwo im Nirvana verlierest.

Dahinter verbirgt sich häufig ein geringes Selbstwertgefühl. Wir fühlen uns wertlos, antriebslos und vergöttern andere Menschen, die all das haben, wonach wir uns in unserem Leben sehnen. Der eigene Selbstwert, den du für dich empfindest, hängt wiederum davon ab, wieviel soziale Anerkennung und Zuspruch du von deinen Eltern, Freund*innen und generell nahestehenden Personen erhalten hast oder aktuell erhältst. Sagen wir es mal so: Ein*e Partner*in, der*die dich ständig klein macht, dich kritisiert und deine Persönlichkeit nicht zu schätzen weiß, wird dich in deinem Selbstwert kaum unterstützen. Ebenso wenig wie Freund*innen, die dir eher Kraft ziehen, als sie dir zu geben. Oder aber Eltern, die dir schon als Kind gesagt haben, dass dein Po zu dick ist.

Den eigenen Selbstwert zu erkennen, ist manchmal gar nicht so einfach.

Apropros Selbstwert. Dein Selbstwert hängt auch davon ab, wie gut du dich mit deinen inneren und äußeren Anteilen und Eigenschaften annehmen kannst. Wie du deinen Charakter bewertest, wie gut du dir selbst verzeihen kannst und inwiefern du mit deinen Äußerlichkeiten zufrieden bist. Dabei geht es nicht unbedingt darum, dich jeden Tag zu feiern als wäre es dein letzter, aber auch nicht darum, dich jeden Tag aufs Neue abzuwerten. Wer über ein starkes Selbstwertgefühl verfügt, ist eher in der Lage, seine Bedürfnisse zu erkennen als auch seine persönlichen Grenzen zu bewahren. Und vielleicht trägt genau dazu ja eine Me-Time bei – um die eigenen Bedürfnisse erkennen und stillen zu können und bewusst Grenzen zu ziehen.

It’s your time

Bist du es dir wert, dir Zeit für dich zu nehmen? Ich denke, ja! Ob du dabei Kaugummi kauend auf dem Sofa sitzt und dir eine Liebesschnulze anschaust, du eine Nacht auf einem Heuboden verbringst oder dir eine Yoni-Massage gönnst. Ob allein oder mit deinem Lieblingsmenschen, spielt dabei keine Rolle. Tue es für dich, für dein Wohlbefinden und für deine Gesundheit. Du bist eine wunderbare Person, die es verdient hat, alle Anerkennung dieser Welt zu bekommen. Und vergiss nicht: Du bist der Mensch, der dir alles wert sein sollte.  

Was auch immer dir persönlich gut tut – finde es heraus! Es ist dein Leben, deine Wohlfühlzeit. It’s your time, baby!

Über Dunja:

Dunja Katharina ist freiberuflich und deutschlandweit als Supervisorin, Coach und Dozentin tätig. Sie setzt sich für Bodypositivity und ein starkes Selbstwertgefühl ein. Als Autorin schreibt sie für verschiedene Magazine. In ihren (Online-)Beratungen unterstützt sie Frauen und Männer u.a. in ihrer Selbstakzeptanz und beruflichen Selbstfindung. Sie organisiert den Curvy Stammtisch NRW/Essen. Aufgrund der aktuellen Situation findet dieser via Zoom statt. Kontakt: info@wermter-bildung.de Homepage: www.wermter-bildung.de 

4 Comments

  1. So ein wichtiger Beitrag. Ich selbst musste auch erst lernen mir eine ME-Time zu nehmen. Und zwar ganz bewusst. Dabei kommt es mir nicht immer darauf an was ich machen, sondern einfach in dem Moment bewusst wahrzunehmen das diese Zeit nur für mich ist. Ich kann nur sagen das es mir mega gut tut. <3

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    • Das freut mich, liebe Jessica, wenn du deine Zeit für dich gefunden hast. Du sagst es. Es kommt gar nicht so darauf an, was wir machen, sondern dass wir die Zeit bewusst wahrnehmen. Wir haben nur das eine Leben und es wäre so schade, wenn dieses an uns vorbeifliegen würde. Ich wünsche dir alles Liebe und Erfüllung. Dunja

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  2. Vielen Dank liebe Dunja,
    Oh ja sich selbst zu verzeihen, nicht immer ein schlechtes Gewissen zu haben, daß fällt mir besonders als alleinerziehende Mutter sehr schwer. Ich bin Meisterin im: allen anderen es gut gehen lassen, aber gehe dabei selber so sehr über meine Grenzen, dass ich nur noch schlapp ujd müde bin. Und dann kommt das Essen ins Spiel, welches mir für einen kurzen Moment Entspannung und “Energie” gibt, bis mich wieder das schlechte Gewissen plagt.

    Liebe Grüße
    Nadja

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    • Liebe Nadja, vielleicht darfst auch du dich zurücklegen und dich zumindest gelegentlich entspannen. Was würde dir gut tun? Ich würde mich freuen, wenn auch du deine Me- Time finden würdest. Ganz herzliche Grüße, Dunja

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